Die Existenzanalyse als Methode

Die Wurzeln der Existenzanalyse liegen in der Logotherapie, die als dritte Wiener Schule von Viktor Frankl begründet wurde. Er betonte die geistige Freiheit des Menschen und legte einen sinnzentrierten Ansatz vor. Sein Schüler, der Arzt und Psychotherapeut Alfried Längle, entwickelte diesen Ansatz weiter, indem er etwa die Bedeutung des emotionalen Erlebens hervorhob und das Methodenspektrum erheblich erweiterte. Markus Angermayr wiederum trug mit seiner Entwicklung des Existenziellen Groundings, sprich, mit dem verstärkten Einbezug des Körpers zum ganzheitlichen Blick der Existenzanalyse auf den Menschen bei. Entscheidend ist in der Existenzanalyse die sogenannte phänomenologische Grundhaltung der Offenheit für das Wesen des Gegenübers. Das bedeutet, der Anspruch ist, sich Klient:innen unvoreingenommen zuzuwenden und jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit zu verstehen.

Die Existenzanalyse als Methode hat zum Ziel, Klient:innen darin zu unterstützen,

  • Sicherheit und Vertrauen in sich selbst, in Beziehungen, in der Welt zu finden
  • Gefühle frei zu fühlen, eine lebendige Beziehung zur Welt zu entwickeln und sich eigener Werte bewusst zu werden
  • ein Leben zu führen, das dem eigenen Wesen entspricht, das also als authentisch empfunden wird
  • auf Basis des emotionalen Erlebens und unter Einbezug des persönlichen Gewissens individuell stimmige Entscheidungen treffen zu können
  • das eigene Leben selbstbestimmt und in einer Art und Weise zu gestalten, sodass dieses als sinnerfüllt empfunden wird.

Kritisch-emanzipatorischer Ansatz

Ich möchte die Existenzanalyse als eine Praxis der Freiheit verstehen und ergänze sie um einen bewusst kritisch-emanzipatorischen Ansatz:

Wir sind Menschen. Wir sind verletzlich, wir sind aufeinander angewiesen. Wir fühlen uns zugehörig, wir fühlen den Schmerz der Vereinzelung, wir suchen nach Verbundenheit - wir passen uns manchmal mehr an, als es für uns selbst und andere gut ist. Nicht zuletzt sind unsere oft nur scheinbar individuellen Probleme, ist dieses unser Leid eingebettet in größere gesellschaftliche Kontexte.

Ziel eines kritisch-emanzipatorischen Ansatzes ist nicht ein Überstülpen von theoretischen Vorannahmen, sondern das zu heben, was unausgesprochen im Raum steht. Es geht darum,
… zu sehen, was gesehen werden will
… es zu benennen und sichtbar zu machen
… es anzuerkennen und zu bezeugen 
und spürbar zu machen, wo uns das Leid, das uns scheinbar vereinzelt, in Wahrheit mit anderen verbindet. Damit daraus letztlich neuer Mut und neue Zuversicht geschöpft werden können.

Und wenn Sie ein gutes Gefühl haben, freue ich mich über Ihre Anfrage.