Trauerbegleitung
Wenn wir Trauer hören, denken wir meist an das Gefühl beim Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod - tatsächlich ist Trauer unsere Fähigkeit, mit Schmerz und all den kleinen und großen Verlusten in unserem Leben gut umgehen zu können:
Abschiede, aufzugebende Träume und Scheitern. Trennungen, verlorene Freundschaften, unerwiderte oder unverfügbare Liebe. Verletzungen oder Vertrauensbrüche in Beziehungen. Enttäuschungen durch andere. Trauer um ein ungelebtes Leben nach einer Phase der Inauthentizität - z.B. rückblickend nach dem Ende einer Partnerschaft oder nach einer langen Zeit des Leistens und Funktionierens. Jobverlust, Umzug oder Verlust von Heimat. Unerfüllter Kinderwunsch, Umgang mit Krankheit oder einer Diagnose, Altern (verlorene Jugend und Verlust von Möglichkeiten) und mehr ..

Trauer ist nicht einfach traurig sein. Trauer hat viele Formen und Facetten und nicht selten denken und fühlen wir auch scheinbar Widersprüchliches:
... ich fühle mich traurig - wütend - enttäuscht - verraten - unverstanden - nicht gesehen - erschöpft - leer - verloren - einsam
… ich sollte mich nicht so fühlen, sollte das anders empfinden, sollte es nicht so schwer nehmen, sollte mich schon gelöst haben, sollte das schon verarbeitet haben
… ich will nicht trauern, ich will das einfach abschließen und weitermachen
… ich spüre das auch so im Körper, ich fühle mich schwer, bin gar nicht so fit, habe keine Lust
… ich weiß nicht, wohin ich damit gehen soll - ich habe das Gefühl, mein Umfeld ist auch überfordert
… ich fühle mich schuldig, weil ich auch erleichtert bin
… ich fühle mich schuldig, weil ich nicht durchgehend traurig bin, oder ich fühle mich gar nicht so traurig, darf das sein? Mach ich was falsch?
… wer bin ich ohne ..?
… es gibt Dinge, die ich jetzt nach dem Verlust anders machen muss und ich weiß nicht wie
… ich will nicht (mehr) traurig sein, ich will wieder leicht sein, will wieder leben
Das alles und mehr.
Einen Spezialfall stellt auch die kollektive Trauer angesichts von Kriegen, Umweltzerstörung, politischen Veränderungen, sozialer Ungerechtigkeit etc. dar. Diese kann sich als Grundschwere, Wut und Schuldgefühle, Angst, Überforderung und Ohnmachtsgefühle äußern.
Letzten Endes hat auch jede Form von Veränderung oder Übergang ein Moment der Trauer in sich, weil wir etwas zurücklassen, um etwas Neues zu beginnen. Auch wenn wir freiwillig und selbstbestimmt gehen, können wir dennoch Schmerz empfinden.
Obwohl Verluste und schmerzhafte Erfahrungen unsere Biografie begleiten, leben wir in einer Gesellschaft mit schwach ausgeprägter Trauerkultur und in einer schnelllebigen Zeit, die wenig Raum für Trauerprozesse bietet. Die manchmal wenig Verständnis für die intensiven Gefühle und „Leistungsschwäche“ kennt, die Trauer auch mit sich bringen kann. Daher bleibt Trauer oft unsichtbar und wir versuchen gerne, sie abzukürzen. Fühlen uns allein und überfordert mit unserer Trauer.

Wie kann professionelle Trauerbegleitung helfen?
Trauer ist ein gesunder Prozess und eine Fähigkeit, die uns hilft, Verluste und schmerzhafte Erfahrungen zu bewältigen und in unser Leben zu integrieren. Manchmal stoßen wir dabei aber an unsere Grenzen - dann kann es helfen, wenn wir auf diesem Weg begleitet werden.
Trauerbegleitung kann helfen:
...durch emotionale Entlastung & Stabilisierung, indem sie Raum für alles bietet, was da ist - auch für schwierige und widersprüchliche Gefühle
...durch die Minderung des Gefühls, mit dem Schmerz „zu viel“ zu sein
… indem sie ermöglicht, zu lernen, geduldig mit sich selbst zu sein
… sich selbst besser zu verstehen, innerlich zu ordnen und anzunehmen
… eigene Ressourcen zu reaktivieren und zu stärken
… das Geschehene für sich zu verstehen, zu deuten und einzuordnen
… sich von unrealistischen Wünschen zu lösen, die nicht an die Wirklichkeit angebunden sind
… Wege zu finden, einzelne Bereiche des Lebens, die vom Verlust berührt werden, zu restrukturieren
… neue Perspektiven zu gewinnen und einen veränderten, tragfähigen Lebensentwurf zu entwickeln
… mit dem Leben in Verbindung zu bleiben und sich nicht dauerhaft „abzukapseln"
wirkt präventiv
… gegen andauernden sozialen Rückzug
… gegen Entstehung und Chronifizierung von Gefühlen wie Hoffnungslosigkeit, Zynismus oder Bitterkeit
… gegen Depression, die durch blockierte Trauer entstehen kann
Der Ablauf einer Professionellen Trauerbegleitung
Trauer ist nicht linear. Sie hat unterschiedliche Facetten. Darum hat Trauerbegleitung auch keinen regelhaften Ablauf oder streng voneinander unterscheidbare Phasen. Die Trauerbegleitung passt sich an die trauernde Person an.
Trauer kommt in Wellen und ist ein lebendiger, individueller Prozess. Es geht nicht darum, dass etwas “ver“arbeitet wird bis zu einem Punkt, wo wir den Verlust gar nicht mehr spüren, sondern dass wir einen für uns guten Umgang damit finden. Es geht auch nicht darum, sich vom Verlorenen zu lösen. Die Trauer findet einen Platz in unserem Leben - die Beziehung zum Verlorenen bleibt.
Und wenn Sie ein gutes Gefühl haben, freue ich mich über Ihre Anfrage.
